Das Herz der deutschen Foodtruck Szene schlägt in Nürnberg

Das Herz der deutschen Foodtruck Szene schlägt in Nürnberg

Foodies wissen es längst: Nürnberg ist Deutschlands Foodtruck Metropole Nummer eins. Hinter der Erfolgsgeschichte steckt ein Mann, der als Mr. Foodtruck schnell zum Aushängeschild der Community wurde: Klaus P. Wünsch. Einer der ersten deutschen Foodtrucker überhaupt. Dessen RibWich in Franken mittlerweile kulinarische Legende ist. Der die Foodtruck Szene immer wieder mit neuen Ideen befeuert. Wir sprachen mit ihm über aktuelle Trends und Projekte.

WFN: Herr Wünsch, was tut sich derzeit in Nürnbergs Foodtruck Szene?

Wünsch: Viel! Wir haben in der Region das große Glück, dass das Speisenangebot zunehmend vielfältiger wird. Internationaler. Das ist einzigartig und deshalb blickt die deutsche Szene auch immer wieder gerne nach Nürnberg, um sich inspirieren zu lassen. Bei uns macht einfach jeder sein ganz individuelles Essens-Ding. Anders in vielen anderen Städten. Da sind teilweise die Hälfte aller Foodtrucker mit Burgern und Pulled Pork unterwegs. In Franken dagegen aktuell nur rund 10 Prozent.

Foodtruck © Torsten Hönig (Truck)
Foodtruck Deluxe © Torsten Hönig (Truck)

Das ist zum einen großartig für die Kunden, weil die immer wieder Neues ausprobieren können. Aber auch für die Foodtrucker selbst. Denn die können deshalb ganz hervorragend nebeneinander bestehen. Wettbewerb gibt es allenfalls um den ein oder anderen Standplatz. Die Hilfsbereitschaft untereinander ist deshalb groß, auch Einsteigern wird gerne unter die Arme gegriffen. Sofern sie sich an „gewisse Spielregeln“ halten, die in einer Gemeinschaft einfach notwendig sind.

Ansonsten freuen wir Franken uns, dass wir gemeinsam mit der NürnbergMesse Deutschlands größte Street Food Convention (SFC) ins Leben rufen konnten. Der Szene-Treff für die Street Food und Foodtruck-Szene. Sie findet in diesem Jahr am 14. und 15. November statt – und das schon zum vierten Mal. Darauf sind wir sehr stolz, denn hier entstehen häufig auch neue Trends.

WFN: Welche Foodtruck Trends können Sie denn derzeit beobachten?

Wünsch: Es sind gleich mehrere Dinge, die die Szene seit einiger Zeit bewegen. Trend Nummer eins habe ich bereits genannt: Das Speisenangebot wird zunehmend internationaler – und vom Kunden auch gerne angenommen. Das war lange Zeit nicht der Fall. Da hatten vor allem große Trucks mit Burger, BBQ & Co. die besseren Karten. Jetzt aber schlägt auch die Stunde der kleinen Konzepte, zum Beispiel aus Venezuela, Mexico, Asien oder dem Iran.

Frisch belegtes RibWich-Brötchen © Ute Wünsch (RibWich)
Frisch belegtes RibWich-Brötchen © Ute Wünsch (RibWich)

Das liegt sicherlich auch daran, dass die Leute allmählich genug Burger auf dem Teller hatten. Wobei ich selbst noch immer sehr einen handwerklich mit besten Zutaten und frischem Fleisch hergestellten Burger liebe! Mein Trend-Tipp für 2018: Poké – eine Rice Bowl aus Hawai mit frischem Fisch in Sushi-Qualität, viel Gemüse, Salat und verschiedensten Toppings. Den bietet meines Wissens derzeit nur ein einziger Foodtruck an. Nämlich der von Spitzenkoch Toni Tänzer, der im Großraum Heilbronn unterwegs ist.

Was mich zum zweiten großen Trend bringt: Profiköche und Gastronomen wappnen sich mehr und mehr für den Eintritt in den Foodtruck Markt. In Spanien ist das schon passiert, hier geht es erst allmählich los. Das kann Sterneküche auf Rädern bedeuten, wird es in den meisten Fällen aber eher nicht. Es wird sich zeigen, ob der Kunde den Unterschied überhaupt bezahlen möchte. Denn auf Qualität setzen Foodtrucker ja ohnehin. Interessant ist auch die Frage, ob ein einzelner Truck Profis auf Dauer genug Abwechslung bieten kann. Denn das eigentliche Erfolgsrezept der Foodtrucker ist ja die Reduzierung auf oftmals ein einziges Gericht.

WFN: Street Food Festivals schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Eine relevante zusätzliche Einnahmequelle für die Foodtrucker?

Wünsch: Manche ja, manche nein. Events sind generell ein wichtiges Zusatzgeschäft, nicht nur Food Festivals sondern beispielsweise auch Open Air Konzerte, Stadtfeste und vieles mehr. Weil die aber Standgebühren verlangen und gleichzeitig natürlich sehr stark wetterabhängig sind, besteht immer auch ein gewisses Ausfallrisiko, gegen das man sich immerhin inzwischen versichern kann.

Foodtrucks Nürnberg © Steffen Oliver Riese
Foodtrucks Nürnberg © Steffen Oliver Riese

Viel attraktiver aber ist das Thema Catering, das auch immer relevanter wird.  Vor allem Corporate Catering im Rahmen von Firmenveranstaltungen. Manchmal sind das Events für weit über tausend Leute. Da muss dann ein ganzer Foodtruck Park her, was wir als Berater auf Nachfrage gerne durchplanen und organisieren. Dieses Foodtruck Catering ist mittlerweile so gefragt, dass manche Trucks die Hälfte ihrer Einnahmen damit generieren. Manche machen sogar nur noch Catering. Und ich weiß von einem Foodtruck, der im vergangenen Jahr über 1.500 Anfragen ablehnen musste. Aus Kapazitätsmangel. Grundsätzlich empfehle ich aber eine gleichmäßige Verteilung auf die „Drei Säulen“ des Foodtruck-Business: Tagesgeschäft, Events, Catering.

WFN: Gibt es auch negative Entwicklungen in der Branche?

Wünsch: Im vergangenen Jahr haben wir eine starke Zunahme von sogenannten „Marketing Foodtrucks“ beobachten können. Die Lebensmittelindustrie hat das Thema für sich entdeckt. Mit der eigentlichen Foodtruck Philosophie –  handwerklich und ehrlich produziert, geringer Convenience-Grad und begeistern für Neues – haben deren Trucks allerdings nichts gemein. Im Gegenteil: Sie schaden teilweise der Szene.

Nicht nur, weil hier Convenience Food angeboten wird. Sondern vor allem, weil es manchmal sogar kostenlos verteilt wird. Geschieht dies im Rahmen von Food Festivals, ist dies extrem ärgerlich. Denn die Foodtrucker bezahlen hier für ihren Standplatz und nehmen dann wegen des kostenlosen Essens an den Werbetrucks unter Umständen weniger ein. Die kommen dann natürlich nicht wieder. Den Schaden hat mittelfristig der Festivalbesucher, denn er wird keine echte Foodtruck Szene mehr erleben, sondern einen besseren Rummelplatz mit Popcorn, Süßigkeitenstand und eben Fast Food. Leider gibt es bisher für den Verbraucher keine Möglichkeit, zwischen seriösen und verwässerten Food Festival Angeboten zu unterscheiden. Noch nicht…

Praktische Links zum Thema

Titelbild: Klaus P. Wünsch ist Founder von Foodtrucks Deutschland © Klaus P. Wünsch